Der kleine Milchvampir

Ich stille. Dass es so anstrengend ist, hätte ich nie gedacht. Sowohl körperlich als auch psychisch. 
Die ersten Tage waren die Hölle. Wirklich. Der Milcheinschuss kam erst nach 3 Tagen, was mich anfangs zunehmend verunsicherte. Da ich ja ambulant entbunden habe, kam natürlich jeden Tag meine Hebamme und hat mir gut zugeredet. 
Auch ohne viel Milch, kommt schon die Vormilch. Sehr Kalorienreich und ausreichend fürs Baby. Der Magen von Neugeborenen ist eh sehr sehr winzig und wird in den ersten Tagen dann erst größer. Also muss man auch ohne Milch immer und immer wieder anlegen. 
Und es tut weh. Höllisch weh. Die ersten 2 Wochen hatte ich blutige Brustwarzen. Millimeter tiefe Risse, etc. Es war echt kein Spaß. 
Da man anfangs, um die Milchbildung anzuregen, alle 2 Stunden (nachts alle 3) anlegen soll, hatte ich mir einen Wecker gestellt. Und jedes Mal wenn der Wecker los ging, hab ich echt losgeheult. Weil ich wusste, dass es gleich wieder so weh tut. 
Diese schlimme Phase ist jetzt zum Glück vorbei. Aber wirklich toll, finde ich das Stillen immer noch nicht. 
Überall liest man davon, dass Frauen beim stillen total glücklich sind und sie darin total aufgehen und Erfüllung sehen. Bei mir ist das nicht so. Immer dieses Bild der selig lächelnden stillenden Mutter. Ich finde es nicht wirklich angenehm. Entweder ziept es. Oder es kribbelt unangenehm. Es macht einfach keinen Spaß. Ich freue mich, dass es meinem Baby gut geht dabei. Und ich habe Körperkontakt zum Baby, was mich auch glücklich macht. Aber das war es dann auch schon an Glücksgefühl.
Es gibt Tage, da möchte Clara stundenlang immer wieder an die Brust. Und ja. Es setzt mir zu. 
Aber ich liebe dieses Baby. Und Stillen ist für mich die einzig akzeptable Version, es zu ernähren. Sie nimmt gut zu. Also funktioniert alles gut. Erst das Baby. Dann ich. Und solange das Baby körperlich auf Muttermilch angewiesen ist, stecke ich eben zurück was das angeht.
Ich weiß nicht, wie lange ich Stillen will. Auf jeden Fall das erste Lebensjahr komplett. Weil in der Zeit Milch eben notwendig ist und im Fall des Abstillens auch durch Pulvermilch ersetzt werden müsste. Das würde ich nicht freiwillig.
Abpumpen funktioniert bei mir leider nicht. Es gibt Frauen bzw. Brüste, da kommt einfach nichts, wenn das Baby nicht dran ist. Blöd. Abpumpen wäre wirklich für manche Situationen eine gute Alternative gewesen.
Da Clara ja so gut schläft, holt sie sich tagsüber die ganze Milch, die sie braucht. Da kann es dann schon mal sein dass ich nur 30 Minuten Pause habe zwischen den Mahlzeiten. Aber das ist schon okay. Dafür kann ich nachts schlafen :D.
Und um ehrlich zu sein… Es ist doch so viel praktischer!
 Nachts zieh ich nur das Baby ran und schlafe dabei weiter. Ich bin ein eher fauler Mensch. In die Küche zu gehen (aufzustehen! Mitten in der Nacht!) und ein Fläschchen vorzubereiten, auf Temperatur bringen etc.  Meine Brüste habe ich unterwegs immer dabei (Überraschung! :D). Die Milch kommt schon perfekt temperiert da raus. Gar nicht auszudenken mit wie viel Gepäck ich unterwegs wäre, wenn ich Fläschchen geben würde. Milchpulver, Flaschenwärmer usw. Dazu kommt dann noch, dass Muttermilch absolut gratis ist. Ist also doch nicht so teuer wie alle behaupten, so ein Baby. Für ihre Ernährung geben wir jedenfalls keinen Cent aus :D.
Die ganzen gesundheitlichen Vorteile von Muttermilch spare ich mir an dieser Stelle. Die sollten ja hinlänglich bekannt sein.
Die Vorteile des Stillens überwiegen einfach. In jeder Hinsicht. Vorteile für mich und das Kind. Deshalb nehme ich eben ein paar Schmerzen in Kauf. Sonst kann ich nämlich keinen einzigen Nachteil finden. 
Viele sagen dass es ein Nachteil wäre „ans Baby gebunden zu sein“. Aber das ist doch überhaupt kein Nachteil. Es ist doch mein Baby, dass ich liebe. Ich freue mich doch drüber wenn es bei mir sein kann. 
Abschließend noch ein kleiner Exkurs zum Thema „Stillen in der Öffentlichkeit“.
Ich persönlich mag es nicht so, mich beim Stillen zu zeigen. Wenn wir unterwegs sind, setze ich mich irgendwo etwas geschützter hin. Im Auto auf die Rückbank, Umkleidekabine etc. Wenn Besuch da ist, oder wir bei anderen sind, wechsel ich eben den Raum.Ich bin ja allgemein eher ungern unter Leuten. Mit entblößter Brust noch weniger :D. Aber ich esse auch nicht gerne vor anderen bzw für andere sichtbar. Dass ich mich für privateres zurückziehe liegt einfach an mir. Nicht am Stillen 🙂 
Ich weiß zwar, dass prinzipiell nichts dabei ist. Und man auch nicht wirklich was sieht. Aber das ist glaube ich so ne Sache für die man gemacht sein muss. Also ich bin absolut pro Stillen in der Öffentlichkeit. Nur ich persönlich, muss es nicht haben ;). (Danke trotzdem allen Frauen dafür, die es tun und damit wieder zur Normalität machen!)
Irgendwie habe ich doch ganz schön viel geschrieben… Naja. Vielleicht hast du ja trotz der Menge Text bis hier hin gelesen…
Bis zum nächsten Mal
Küsschen, Mi ?

2 Gedanken zu „Der kleine Milchvampir

  1. Vanessa sagt:

    Abpumpen ging bei mir erst auch nicht, ich muss immer in einer bestimmten Position sitzen damit was kommt, weil meine Brüste zu groß sind. Seitdem fließt es. Oder vielleicht brauchst du einen anderen Aufsatz, die gibts ja auch für unterschiedliche Größen.
    Man braucht manchmal etwas Übung fürs Abpumpen, so wie beim stillen aber ich finde es lohnt sich. Bin auch kein Fan vom stillen, obwohl es bei mir problemlos ohne Schmerzen oder so lief. Abpumpen ist super für mich. Kind trinkt auch mehr auf ein Mal. Ich Pump nur 2-3 Mal am Tag ab und stell die Milch in den Kühlschrank, zum warm machen reicht es das Fläschchen in heißes Wasser zu stellen.

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