Zu wenig Milch? Meistens ist das nicht der Fall! 

Ich lese und höre überall nur noch Sachen wie „ich hatte zu wenig Milch ich musste zufüttern“ oder „mein Baby wurde nicht satt“. Bestimmt bei 80% der frischen Mamas mit denen ich gesprochen habe, war das der Fall. Und es kam oft Neid auf, wenn ich erzählt habe, dass ich nicht zugefüttert habe. Man hätte ja so gerne ausgereicht für sein Baby.
Ich habe bevor ich diesen Beitrag geschrieben habe, etwas recherchiert (hier zum Beispiel: Klick) und mit Stillberaterinnen gesprochen. Auf deren Aussagen beziehe ich mich nachfolgend. 
Ich richte mich hierbei an die, denen Stillen auch so wichtig ist wie mir und die Pulvermilch mit allen Mitteln umgehen wollen. Ich hatte sogar letztens einen Alptraum und bin weinend aufgewacht, weil ich geträumt hatte, das jemand Clara Pulvermilch gegeben hat. Es ist für mich wirklich… Schrecklich.
Es gibt wohl nur 5% Frauen, die wirklich zu wenig Milch haben. Das kann von Hormonerkrankungen oder anderen Einflüssen Kommen. Auch kann es beim Baby anatomische Probleme wie verkürzte Zungenbändchen o.ä. geben, was dazu führen kann, dass nicht ausreichend „bestellt“ werden kann, durch falsche Technik beim Trinken.
Dann sollte man natürlich und unbedingt zufüttern. 
Allerdings wird meiner bescheidenen Meinung nach, viel zu schnell zugefüttert, bzw dazu geraten.
Babys Clustern anfangs oft und viel. Ich hatte teilweise Tage, da hatte ich sie 20/24 Stunden an der Brust. Aber das ist nicht, weil sie nicht satt wurde, sondern weil sie „bestellt“. Durch das Clustern reguliert sich die Milchmenge und passt sich ans Baby an. Das vergeht also wieder. Und es gibt immer Mal wieder Phasen in denen ein Baby Clustert. Einfach weil der Bedarf sich verändert.
Viele setzen das halt leider mit „nicht satt werden“ gleich. Und dann kommt das Problem.
Wenn man zufüttert, bekommt die Brust nicht mehr genug Impulse, um mehr zu produzieren. Und produziert weniger. Und dann wird das Baby womöglich wirklich nicht mehr satt. Dann steckt man in der sogenannten Zufütterungsfalle. Auch wenn man mit Stillhütchen stillt, kann es passieren, da die Brust auch nicht die Impulse bekommt, die sie braucht. Und dadurch zu wenig Milch produziert wird und somit zu wenig ins Baby kommt. Schnuller erhöhen das Risiko ebenso.

www.der-apfelgarten.de


Also liebe (werdenden oder frischen) Mamas. Lasst euch nichts voreilig einreden und wendet euch lieber an eine ausgebildete Stillberaterin (keine Hebamme!), bevor ihr zufüttert. Wenn diese das dann auch noch empfiehlt, dann könnt ihr euch sicher sein, dass es wirklich notwendig ist. Aber wie oben schon gesagt, äußerst selten der Fall. Der Rest hat prinzipiell genug Milch! Sie muss nur vom Baby bestellt werden. 
Wer wirklich zufüttern muss, aber weiter Stillen will, sollte das am besten mit einem Brusternährungsset oder anderen Stillfreundlichen Methoden wie einem Löffel. Mit gängigen Fläschchen könnte man im schlimmsten Fall eine Saugverwirrung auslösen. Auch hierfür ist die Stillberaterin die richtige Ansprechpartnerin. Ich verlinke weiter unten gleich noch ein paar Seiten, auf denen ehrenamtliche Stillberaterinnen zu finden sind.
Mir wurde es von Kinderarzt und Hebamme geraten, weil „es ja nicht sein könne dass man 8 Stunden am Stück stillt“. Hätte ich mich nicht im Vorfeld viel mit dem Thema beschäftigt und gute Freundinnen an der Seite, die sich auskennen, hätte ich mich womöglich auch zum zufüttern entschieden. 
Und ja. Diese Tage an denen so viel gestillt wurde, waren alles andere als leicht. Aber die gingen auch vorbei.
Aber man muss es halt wissen. Natürlich sind viele verunsichert, wenn einem plötzlich alle zum zufüttern raten, nur weil das Baby oft an die Brust will. 
Aber im Grunde ist es so… Je mehr man anlegt, desto mehr wird produziert. Solange die Windeln nass sind, kommt auch genug rein. Eine Dehydrierung aufgrund von zu wenig Milch, bemerkt man schnell. Nicht erst, wenn es gefährlich wird. Und dann kann man immer noch frühzeitig gegensteuern.
Viele kaufen auch schon vorher Fläschchen und Pulvermilch. „Für den Notfall“. Wenn ihr wirklich unbedingt Stillen wollt. Meiner Meinung nach… Lasst es. Wenn es wirklich der Fall sein sollte, bekommt man auch in der Notdienst Apotheke rund um die Uhr alles was man braucht. Auch schnell genug, kein Baby dehydriert unbemerkt innerhalb einer halben Stunde.
Wenn man sowas da hat, kommt man viel leichter in Versuchung und gibt sich vielleicht unterbewusst „weniger Mühe“. 
 Dann sieht man es vermutlich als Erleichterung, wenn das Baby nach der Flasche Pulvermilch endlich Mal schläft und „satt“ wirkt. Das Baby ist dann aber nur übersättigt und schläft deshalb. Klar, ein schlafendes Baby ist ein verlockendes Argument für übermüdete Mütter. Kann ich auch voll nachvollziehen. 
Aber das alles schadet nun Mal der Stillbeziehung. Je öfter das Baby „woanders“ trinkt, desto weniger Milch wird produziert. Das sollte man sich vorher klar machen.
Anfangs hatten auch wir Probleme. Ich hatte erst am dritten Tag Milcheinschuss und hatte große Angst, dass da nicht genug kommt. Auch habe ich Clara mehrere Stunden am Stück gestillt. Und weil sie ein sehr müdes Baby war, musste ich sie oft wecken, damit ich sie stillen konnte. Das war anfangs alle 2 Stunden. Außerdem habe ich mich fast ausschließlich mit Malzbier betrunken​ – das wirkt sich Positiv auf die Milchbildung aus. Es ist hart. Das will ich auch gar nicht beschönigen. Und wer dafür keine Kraft aufbringen kann, der soll auch guten Gewissens zufüttern. 
Ich kann da nur von mir sprechen, aber mir ist es unfassbar wichtig zu Stillen. Und das auch erfolgreich. Ich lag hier tagelang weinend mit dem Baby an der Brust und der Angst, es würde nicht reichen und nicht klappen. 
Und jetzt nochmal kurz zu dem gesundheitlichem Nachteil vom zufüttern fürs Baby. Also es ist nicht „Mal kurz eine Flasche dann gehts allen besser“. Diese Flasche verändert nachhaltig die Darmflora des Babys. 
Mehr zum Thema Darm und Stillen könnt ihr hier beim Klick hierauf nachlesen. Das sprengt jetzt hier den Rahmen :).
Hier noch die Links wo ihr Stillberaterinnen findet, wenn ihr Hilfe benötigt:

    Alles Liebe
    Küsschen
    Mi & Clara ?

    (Und wie immer… Meine Ansichten und Meinungen​ sind nicht allgemeingültig.)

    Ein Gedanke zu „Zu wenig Milch? Meistens ist das nicht der Fall! 

    1. tilly1984 sagt:

      Liebe Mi. Ich danke dir für diesen Beitrag. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich hatte anfänglich immer gesagt, ich stille nur in den ersten paar Wochen und wenn die wichtigsten Immunstoffe aufs Kind übergegangen ist, ist Schluss. Meine Maus ist nun fast vier Monate alt und ich stille immer noch.
      Ich finde man darf zwei Aspekte hierbei auch nicht unerwähnt lassen: Stillen ist mega unkompliziert. Keine Fläschchen anrühren, aufwärmen, wieder sterilisieren usw. Mama hat immer das ganze „Equipment“ dabei. Die Temperatur stimmt immer, nachts braucht man nur auspacken und los geht’s und machen wir uns nix vor, es ist auch ein finanzieller Aspekt.
      Zum anderen und der Punkt ist viel, viel wichtiger macht das Stillen auch etwas mit einem als Mama. Für mich war es genau das Richtige nach einer ganz schweren Geburt und längerem Getrennt sein von meiner Tochter. Wir genießen beide die Nähe und es hat uns über sehr schwere Zeiten im Wochenbett hinweggeholfen.
      Ich denke auch, dass sich die Milchmenge im Sinne von Angebot und Nachfrage selbst reguliert. In einem Wachstumsschub lege ich dann auch öfter an und schwups stimmt die Menge wieder, die meine Kleine braucht. Bisher mussten wir, mal von den ersten paar Tagen abgesehen, nicht zufüttern und die Waage geht stetig nach oben. Mamis bleibt einfach dran, denn es lohnt sich!

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