"Windelfrei" – aufwändig und eklig? 

Ihr wisst ja, wir praktizieren „Teilzeitwindelfrei“. Hier könnt ihr nochmal alles was ich bisher dazu geschrieben habe nachlesen: 

Hier möchte ich jetzt Mal ein bisschen über „das öffentliche Bild“ von Windelfrei schreiben.
Was man immer am meisten hört, wenn man erzählt dass das Baby Zuhause meist keine Windel trägt ist „ihgitt“. Ich verstehe wirklich nicht was daran groß eklig sein soll. 
Wenn Clara Zuhause Mal auf den Boden Pipi macht, weil ich zu spät war, nehme ich kurz einen Lappen und schmeiß den und was sonst so nass geworden ist, in den Wäschekorb. Und ich spare mir eine Windel bzw Einlage zu waschen. Wenn man Wegwerfwindeln benutzt, hat man nach dem einen Pipi direkt eine ganze Windel im Müll. Je nach Marke und Größe kostet eine Windel durchschnittlich ca. 20 Cent. Die landen dann im Müll. Vom Müllberg der produziert wird Mal ganz zu Schweigen.

Okay. Ich hab gehört es soll Eltern geben, die wechseln nur die Windel, wenn das Baby groß gemacht hat. Oder so viel Pipi drin ist, dass sie ausläuft. Das ist womöglich Geldsparend – aber unfassbar gemein dem Kind gegenüber. Das muss also mehrere Stunden in seinen Ausscheidungen sitzen. Und das bewusst. Genau die gleichen Eltern wundern sich dann, wenn das Kind mit 5 immer noch nicht trocken ist.  (Ja, es gibt auch Kinder die trotz gewissenhaftem Umgang mit Windeln der Eltern mit 5 noch nicht trocken sind oder aber aus medizinischen Gründen. Aber oft, sind solche Probleme eben „hausgemacht“. Aber Ausnahmen bestätigen auch hier wieder die Regel.)
Da wären wir dann schon beim nächsten Argument. Windelfrei soll unfassbar aufwändig sein. Ich weiß nicht was genau daran immer als aufwändig bezeichnet wird… 
Auf kurze Sicht gesehen – ich finde es weitaus weniger Aufwand eine kleine Pfütze weg zu wischen, als das Baby erst zum Wickeltisch zu tragen und die windel zu wechseln. Wickeln ist hier eh nicht sonderlich spaßig, seit Clara mobil ist. Da wird sich umgedreht und weggerobbt. Es kostet schon Kraft – und Aufwand. 
Das große Geschäft geht hier grundsätzlich in die Toilette. Der Aufwand den ich da betreibe ist, mir ein paar Minuten zu nehmen, um Clara über die Toilette zu halten. Und abzuspülen. Ist das wirklich mehr Aufwand, als einem sich bewegendem und womöglich weinendem Kind die Windel zu wechseln und den Po gründlich sauber zu machen? Ich bezweifel das einfach Mal. 
Und volle Wegwerfwindeln müssen auch zum Müll gebracht werden. Den Windelmüll raus bringen ist auch ein Aufwand, den ich mir weitestgehend spare. Und auch der Windeleinkauf alle paar Wochen kann ich mir sparen. (Diese Vorteile greifen natürlich bei Stoffwindeln auch)
Dass man sein Kind im Auge haben muss, um auf Zeichen zu achten, wird auch gerne als aufwändig bezeichnet. Aber erstmal habe ich ein kleines Baby grundsätzlich im Auge. Und ich weiß mittlerweile, wann sie muss. Nach dem Schlafen und nach dem Tragen habe ich eine 100% Erfolgsquote. Ich beobachte nicht „mehr“ als ich es sowieso würde. 
Auf lange Sicht gesehen, wird mein Baby höchstwahrscheinlich viel schneller trocken als eins, das immer in Superabsorberwindeln macht. Da kann das Kind gar nichts für, aber diese Windeln trainieren wirklich die Nerven so, dass das Kind alles an Bewusstsein dafür verlernt. Und so muss das erst wieder mühsam gelernt werden. 
Also spare ich mir da sowohl den Aufwand mehrere Jahre lang zu wickeln, als auch den Aufwand des späteren „Töpfchen Trainings“.
Also es ist weder eklig, noch aufwändig. 
Dann kommen wir zum nächsten Argument. „Das ist doch krankhaft seine Kinder schon so früh zu zwingen auf die Toilette zu gehen“
Echt? Nein. Ich finde es eigentlich schlimmer, dass wir in einer Kultur leben, die sich dafür einsetzt, Kinder so lange wie möglich in ihren Ausscheidungen liegen zu lassen. 
Jedes Kind kann möchte Anfang an seine eigene Sauberkeit umsetzen und sich nicht selbst beschmutzen. Das liegt so in der Natur. Mit Windeln wird das ganze abtrainiert. Die Kinder verlernen einfach, einzuhalten und verlieren Dank hochmoderner Wegwerfwindeln auch sofort jegliches Gefühl für ihre Ausscheidungen. „Ich mach Pipi. Alles bleibt trocken.“ Klar stellt der Körper sich da dann drauf ein. 
Ich gehe also auf das natürliche Sauberkeitsbedürfnis meines Kindes ein. Und biete es ihr an. Wenn sie möchte, nutzt sie es. Das ist keine „Sauberkeitserziehung“, sondern von Anfang an da. 
Und zum Schluss…
Da sich jetzt wahrscheinlich wieder ganz viele Eltern angegriffen fühlen (ich kenn das ja mittlerweile …) – das ist kein Angriff auf Eltern deren Kinder Windeln tragen. Clara trägt auch mindestens 50-70% des Tages Windeln. Und macht da auch rein. Hauptsächlich Stoff, aber zwischendurch auch Mal eine Wegwerfwindel. Man kann sicher auch mit Windeln auf die Bedürfnisse des Babys eingehen, mache ich mit Clara ja auch die meiste Zeit des Tages. Ich habe auch bis ich glaube ich 4 Jahre alt war noch zeitweise Windeln getragen, aus mir ist auch ein schlaues Mädchen geworden 😉. Wenn man von windelfrei noch nicht gehört hat, macht man natürlich auch die „gängige“ Variante mit Windeln. Und niemand kann immer alles wissen 😉.
Wer sein Kind regelmäßig wickelt, braucht sich in keinster Weise angegriffen fühlen 😄. 
Ich wollte mit dem Beitrag nur den gängigen Vorurteilen zu Windelfrei (eklig, aufwändig, Sauberkeitserziehung) etwas entgegen setzen und Beispiele aufzeigen, warum diese Vorurteile unbegründet sind.
Die Eltern die ihre Kinder absichtlich und aus Faulheit 10 Stunden in einer pitschnassen, womöglich noch vollgekoteten Windel lassen, dürfen sich allerdings gerne angegriffen fühlen. Das ist nämlich wirklich richtig unverantwortlich dem Kind gegenüber (Ja, das gibt es. Leider schon mehrfach erlebt und mit „och ich hab jetzt keine Lust zu wickeln, die Pampers hält das schon“ begründet worden…).
So. Meine paar Worte dazu 😊
Gruß und Kuss, dein Fidibus. Äh. Mi 😘😁

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